Hilfe ich helfe 5. September 2008
Posted by kauda in blick nach innen, k, wieder hier....trackback
Hab in den letzten Tagen Esszimmer und Küche gestrichen und freu mich jetzt riesig über das neue Raumgefühl. Gleichzeitig hat mir diese materielle Aktion (einfaches Ursache-Wirkung-Prinzip) vor Augen geführt, wie kompliziert ich viele Dinge finde, die sich in meiner eigenen Seele und zwischenmenschlich so abspielen. Hier ein Dilemma zum Thema Helfen, das mir schon häufiger im Leben begegnet ist, und das mich etwas ratlos stimmt. Die erste Frage, die sich mir aufdrängt, wenn ich sehe, dass irgendwo Hilfe notwendig ist: Wo soll ich helfen, und wo nicht. Die zweite Frage ist schon etwas komplexer: Wie soll ich helfen und welche Art der Unterstützung ist a) im Angesicht ethischer und sozialer Gesichtspunkte richtig und b) für den Hilfesuchenden sinnvoll und c) für mich persönlich möglich und zumutbar?
(Ich stelle mir vor, es wäre schon wesentlich einfacher, ich würde ab und zu einen konkreten göttlichen Auftrag empfangen. Das würde für mich a) und b) positiv beantworten und in Punkto c) würde ich einfach davon ausgehen, dass Gott mir die nötigen Kapazitäten und Energien dafür gibt, schließlich handelt es sich ja um seinen Auftrag. Aber das nur nebenbei bemerkt.)
Ich empfinde oft einen gewissen unfreien Drang zum Helfen, der wohl tief in meine kindliche Seele gesät wurde. Dieser Zwang drängt mich innerlich zum Helfen, gibt mir aber gleichzeitig ein ungutes Gefühl, da ich merke, dass die Hilfe nicht aus reinen Motiven geschieht, und ich anfällig bin für manipulierende Appelle von außen. Wenn ich aber nicht helfe, schlägt dieser Zwang zum Helfen um in ein schlechtes Gewissen, das mir innerlich vorrechnet, wo ich noch besser und intensiver hätte helfen können. Ich hasse dieses schlechte Gewissen! Es mahnt mich zum Helfen als einer Pflicht, die ich bei genauerer Betrachtung vom Verstand her nicht erkennen kann.
Das schlechte Gewissen bereitet mir aber insgesamt weniger Unbehagen als der ausgelebte Helfzwang, und es besteht die leise Hoffnung, dass eines Tages die Freiheit im Denken auch meine Gefühlswelt erreicht. Die Distanzierung von eigenen Gefühlen und herangetragenen Problemen finde ich jedenfalls immer hilfreich. Im Prinzip ist Beten nichts anderes.

Kommentare»
No comments yet — be the first.