“Das ist ungerecht!” 28. Mai 2008
Posted by kauda in Gerechtigkeit, Kinder, k.trackback
Kaum ein Satz wird häufiger von den derzeit sechs Kindern in unserem Haus in den Mund genommen. “Das ist ungerecht!” Ausgesprochen im Brustton der Überzeugung, dass einem gerade Unrecht widerfahren ist, weil kein Kaugummi mehr übrig war, obwohl alle anderen einen bekommen haben oder weil man die Sachen von den anderen mitaufräumen soll oder weil man früher ins Bett muss als die anderen Kinder, nur weil man ein paar Jahre jünger ist. Ungerecht! In der Regel ist der kindliche Protest nachvollziehbar, aber eben auch die Gründe die für die kleineren und größeren Ungleichheiten gesorgt haben… der letzte Kaugummi ist aus Unachtsamkeit im Dreck gelandet, wenn alle aufräumen geht es viel schneller (in der Regel hat man eh mehr oder weniger gemeinsam gespielt), oder wenn man jünger ist braucht man eben mehr Schlaf… jeden Abend rede ich mir darüber den Mund fusselig. Wohl deshalb weil die empörten Kinderaugen und Ohren nicht sehen und hören wollen, warum dieser ungeliebte Zustand herrscht, sondern eher, wie und ob er sofort verändert wird.
Wenn ich nicht gerade erwachsen und erziehungsberechtigt wäre, würde ich mich wahrscheinlich genauso beschweren. Nun bin ich zu Hause aber die, die für viele solcher ungeliebten Situationen verantwortlich ist und insbesondere bei der allabendlichen Diskussion über die Schlafenszeiten muss ich erstmal tief seufzen. Und dann frage ich mich, wie wir irgendwo sonst auf der Welt in einem größeren Kontext Gleichheit und Gerechtigkeit schaffen wollen, wenn es nicht mal in der kleinen familiären Zelle klappt, wo eigentlich keiner beabsichtigt benachteiligt wird.
Angestoßen durch die Predigtreihe “Licht” der Citychurch im vergangenen Herbst stellen wir zu Hause langsam aber sicher auf Fair Trade-Produkte um; ich hole mir keine Klamotten mehr bei H&M, s’Oliver oder Esprit und wir achten darauf, dass wir die heimischen Lebensmittel kaufen. Gleichzeitig scheint es mir aber lächerlich, dass ich mich in solchen Punkten in Einschränkung und Aufmerksamkeit übe, während ich hier in unserem schönen Haus unter der Lichterkette am Laptop sitze.

…das ist auch eine lustige Parabel über unser Verhältnis zu Gott. Da denkt man sich auch öfter mal: “Das ist aber ungerecht”, obwohl man nicht mal ansatzweise checkt, was da gerade vorbereitet wird…