jump to navigation

Stadtluft macht frei… 13. Juli 2009

Posted by kauda in Geschichte, Gesellschaft, k, was frau so studiert.
1 comment so far

Die Redewendung „Stadtluft macht frei!“ stammt aus dem 19. Jahrhundert und bezeichnet die Freiheit von Grundherrschaft, die ein Bauer im Mittelalter durch Abwanderung in die seit Mitte des 12. Jahrhunderts aufblühenden Städte, erlangen konnte, sofern er in der Lage war, ein Jahr lang eigenständig in der Stadt zu leben und sich zu versorgen.

Die Wendung wird seit dem 19. Jahrhundert beschönigend gebraucht, da ihr die Vorstellung zugrunde liegt, dass die mittelalterlichen Städte Inseln der Freiheit in einer ansonsten von Feudalismus geprägten Gesellschaft darstellten. Der Begriff „Freiheit“ wird in der Moderne sehr allumfassend verwendet und ist seit der Französischen Revolution eng verknüpft mit der Vorstellung von der Gleichheit aller Menschen.

In diesem Sinn wurde der Begriff „Freiheit“ im Mittelalter jedoch nicht gebraucht. Das Wort wurde in der Regel im Plural verwendet; man sprach von „Freiheiten“ und meinte damit nicht die Alltagsumspannende Lebenssituation eines Menschen, sondern die Minderung oder sogar Beendigung von bisherigen, standesüblichen Pflichten oder Zwängen.

In der Tat konnten sich unfreie Bauern durch Abwanderung in die Städte ihrer grundherrschaftlichen Bindung entziehen. „Auf Jahr und Tag“ nach dem Einzug in der Stadt erlosch jede vorige Verpflichtung gegenüber dem Grundherren. Der Bauer stand in der Stadt auf eigenen Beinen, galt aber immer noch als Mitglied der unteren Schicht in der durch Hierarchien und Ungleichheiten geprägten mittelalterlichen Gesellschaft.

Wie heute waren auch die Städte im Mittelalter Spiegel der Gesellschaft. Die Einwohner einer Stadt gehörten nach Herkunft (z. B. Adel, Klerus) und wirtschaftlicher Lage (Land- oder Hausbesitz, Kaufleute, Handwerk) unterschiedlichen Schichten an, die gruppenbezogene Sonderrechte mit dem jeweiligen Stadtherren und seit Mitte des 13. Jahrhunderts mit dem städtischen Rat verhandelten.

Zu den Bürgern, den vollwertigen städtischen Mitgliedern mit Rechten (z. B. Wahl des Stadtrats, Handelserlaubnis, Schutz) und Pflichten (Steuer- und Zollabgaben, Kriegsdienst), zählten die aus der Grundherrschaft geflohenen Bauern nicht. Sie waren in der Stadt abhängig von ihrer Arbeitsleistung und damit von ihrem jeweiligen Arbeitgeber. Ihre soziale und rechtliche Stellung (und damit einhergehend Freiheiten und Pflichten) konnte recht unterschiedlich sein, da Freiheit und Recht im Mittelalter Personengebunden zugeteilt war.

Es bestand aber auch für Bauern und andere Vertreter der unteren Schicht die Möglichkeit, die eigene Lage zu verbessern und in höhere Schichten aufzusteigen. Das geschah in der Regel aber nicht im Laufe eines Lebens, sondern über mehrere Generationen.

weinen und lachen 12. Juli 2009

Posted by kauda in mal eben.
add a comment

Ein Gespräch zwischen Papa und Sohn über aufwühlende Gefühle, die Tiefen der menschlichen Seele  und das Leben im Großen und Ganzen. Über Weinen und Lachen, Schmerz und Freude, Tränen und Begeisterung…

Fragt der Sohn: “Papa, wer ist schlechter dran:

Ein Mensch, der nie weint, oder einer, der nie lacht?”

59 Jahre Zeit… 23. Juni 2009

Posted by kauda in k, mal eben.
add a comment

Unterhalb des Dachfensters, durch das der Regen auch im Sommer wunderschöne Geräusche überbringt, findet sich eine vermeintlich leere Zigarettenschachtel, die nun schon seit Jahren mein Zimmer bereichert. Hier und da. Im Alter von 18 Jahren – gefühlt damals aber weit jenseits der 36 – wurde sie mir von einer Freundin geschenkt. Mit Widmung. An ihr haben die Jahre mittlerweile ihre Spuren hinterlassen. Das Papier ist vergilbt und manche Wörter sind dem Verschwinden nahe. Aber lesen kann man sie noch…

Liebe Kathy,

diese Ex-Zigarettenschachtel enthält 59 Jahre Zeit. Ich hab sie – Für Dich – dem Mann unten an der Ecke neben dem Blumenladen, an dem Du mir meinen wunderschönen Strauß gekauft hast, abgekauft. Du brauchst Dir keine Gedanken wegen des Geldes zu machen – glaub mir, sie war spottbillig…

…und stell Dir vor: Als ich dem alten Mann erzählt habe, dass du mit dieser Zeit richtig sehen [...], spüren , richtig leben wirst, stell Dir vor, da lief lächelnd eine Träne über seine runzelige Wange und er sagte: “Sie ist die erste” (ich weiß nicht, was er damit meinte) und: “Ihre 59 Jahre werden ewig dauern.”

(damals S.G. – heute S.W.)

Kleiner Einblick in die Kulturwissenschaften 19. Juni 2009

Posted by kauda in Geschichte, Religion, k, was frau so studiert.
2 comments

Einfluss des Christentums auf die Gestaltung der Ständemodelle in Antike und Mittelalter

Begriff Ständemodell

Mit Stand im geschichtlichen Kontext des europäischen Raums wird eine gesellschaftliche Großgruppe bezeichnet, die im Vergleich zu anderen Gruppen der Gesellschaft Vorrechte genoss und dadurch eine besondere soziale Position inne hatte. Ständemodelle greifen die sozialen Unterschiede damaliger Zeit auf und interpretieren sie vor ihrem jeweiligen philosophisch-theologischen Hintergrund. Wie alle Modelle bieten auch Ständemodelle keine wahrheitstreue Abbildung der (damaligen) Wirklichkeit, ihre Untersuchung kann aber dazu dienen, de gedanklichen Grundlagen und Paradigmen einer Epoche offen zu legen und die Hintergründe der gesellschaftlich vorhandenen und allgemein anerkannten Ungleichheit zugänglich zu machen.

Antike und mittelalterliche Ständemodelle und Einfluss des Christentums

Als Gründer des Christentums gilt Jesus von Nazareth (um 4 v. Chr – ca. 30 n. Chr), der in der römischen Provinz Judäa lebte und eine für damalige Zeit revolutionäre Sozialethik vertrat. Der Mittelmeerraum war von römischem Standesdenken geprägt. Eine Minderheit der Bevölkerung (lateinisch „honestiores“ = die Ehrenhaften) war einem Stand zugehörig und konnte die daraus erwachsenden Vorrechte in Anspruch nehmen. Die Mehrheit der Bevölkerung galt jedoch als standeslos (lat. „humiliores“ = die Niedrigen) und hatte keinen Zugang zu Macht, Ehre oder Rechtsgütern. Jesus wertet die herabgesetzte Gesellschaftsschicht der „Humiliores“ auf und verkündet den Zugang zum Reich Gottes für alle Menschen und betont deren Gleichheit vor Gott.

Nach dem Tod Jesu formuliert und erweitert der griechisch-jüdische Konvertit Paulus (mehr…)

Sehn sucht 28. Mai 2009

Posted by kauda in k, poetry.
add a comment
Wen sucht er?
die Sonne, die Blumen, den Regen
das Leben ganz generell
und die Liebe
Ver  stört
Be  schwört
Ge  lehrt
Doch keiner von ihnen weiß was ich meine
Auch dieses Jahr
blühen die Rosen wieder
zarte Blühten an stachligem Halm
Ver weis
Heim- und Fernweh meint manchmal das Gleiche