als ich mich einmal vom blog’n verabschiedete… 5. Juli 2008
Posted by kauda in k, schüss.1 comment so far
Für alles gibt es eine bestimmte Stunde. Und für jedes Vorhaben unter dem Himmel gibt es eine Zeit: Zeit fürs Gebären und Zeit fürs Sterben, Zeit fürs Pflanzen und Zeit fürs Ausreißen des Gepflanzten, Zeit fürs Töten und Zeit fürs Heilen, Zeit fürs Abbrechen und Zeit fürs Bauen, Zeit fürs Weinen und Zeit fürs Lachen, Zeit fürs Klagen und Zeit fürs Tanzen, Zeit fürs Steinewerfen und Zeit fürs Steinesammeln, Zeit fürs Umarmen und Zeit fürs sich Fernhalten vom Umarmen, Zeit fürs Suchen und Zeit fürs Verlieren, Zeit fürs Aufbewahren und Zeit fürs Wegwerfen, Zeit fürs Zerreißen und Zeit fürs Zusammennähen, Zeit fürs Schweigen und Zeit fürs Reden, Zeit fürs Lieben und Zeit fürs Hassen, Zeit für Krieg und Zeit für Frieden. Welchen Gewinn hat also der Schaffende bei dem, womit er sich abmüht? Ich habe das Geschäft gesehen, das Gott den Menschenkindern gegeben hat, sich darin abzumühen. Alles hat er schön gemacht zu seiner Zeit, auch hat er die Ewigkeit in ihr Herz gelegt, nur dass der Mensch das Werk nicht ergründet, das Gott getan hat, vom Anfang bis zum Ende... (Die Bibel, Kohelet 3, 1-11)
“Das ist ungerecht!” 28. Mai 2008
Posted by kauda in Gerechtigkeit, Kinder, k.1 comment so far
Kaum ein Satz wird häufiger von den derzeit sechs Kindern in unserem Haus in den Mund genommen. “Das ist ungerecht!” Ausgesprochen im Brustton der Überzeugung, dass einem gerade Unrecht widerfahren ist, weil kein Kaugummi mehr übrig war, obwohl alle anderen einen bekommen haben oder weil man die Sachen von den anderen mitaufräumen soll oder weil man früher ins Bett muss als die anderen Kinder, nur weil man ein paar Jahre jünger ist. Ungerecht! In der Regel ist der kindliche Protest nachvollziehbar, aber eben auch die Gründe die für die kleineren und größeren Ungleichheiten gesorgt haben… der letzte Kaugummi ist aus Unachtsamkeit im Dreck gelandet, wenn alle aufräumen geht es viel schneller (in der Regel hat man eh mehr oder weniger gemeinsam gespielt), oder wenn man jünger ist braucht man eben mehr Schlaf… jeden Abend rede ich mir darüber den Mund fusselig. Wohl deshalb weil die empörten Kinderaugen und Ohren nicht sehen und hören wollen, warum dieser ungeliebte Zustand herrscht, sondern eher, wie und ob er sofort verändert wird.
Wenn ich nicht gerade erwachsen und erziehungsberechtigt wäre, würde ich mich wahrscheinlich genauso beschweren. Nun bin ich zu Hause aber die, die für viele solcher ungeliebten Situationen verantwortlich ist und insbesondere bei der allabendlichen Diskussion über die Schlafenszeiten muss ich erstmal tief seufzen. Und dann frage ich mich, wie wir irgendwo sonst auf der Welt in einem größeren Kontext Gleichheit und Gerechtigkeit schaffen wollen, wenn es nicht mal in der kleinen familiären Zelle klappt, wo eigentlich keiner beabsichtigt benachteiligt wird.
Angestoßen durch die Predigtreihe “Licht” der Citychurch im vergangenen Herbst stellen wir zu Hause langsam aber sicher auf Fair Trade-Produkte um; ich hole mir keine Klamotten mehr bei H&M, s’Oliver oder Esprit und wir achten darauf, dass wir die heimischen Lebensmittel kaufen. Gleichzeitig scheint es mir aber lächerlich, dass ich mich in solchen Punkten in Einschränkung und Aufmerksamkeit übe, während ich hier in unserem schönen Haus unter der Lichterkette am Laptop sitze.
Gleichheit = Gerechtigkeit? Ein Nachtrag zum Mindestlohn 20. Mai 2008
Posted by kauda in Gesellschaft, d.4 comments
Warum muss der Reichtum in Deutschland gerechter verteilt werden? Und soll er gerechter oder nur gleicher verteilt werden? Wir verwechseln nämlich oft Gerechtigkeit mit Gleichheit! Dass zwei Beamte mit der Besoldungsstufe A14 gleich viel verdienen, weil sie beide denselben “Dienstgrad” haben ist Gleichheit. Aber ist es gerecht, dass ein beamteter Oberarzt der Uniklinik mit einer 60-Stunden-Woche genauso viel verdient wie ein Verwaltungsbeamter mit einer 42-Stunden-Woche, weil beide die Besoldungsstufe A14 teilen?
Der Mindestlohn ist nach überwiegender Sicht der “Wirtschaftsweisen” nicht zielführend, weil “keines der Argumente für die Einführung eines Mindestlohns wirklich zu überzeugen vermag”. Sie warnen sogar vor der Einführung eines Mindestlohns. Zu Recht, und zwar aus drei Gründen:
- Je höher der Mindestlohn, desto produktiver muss der Betrieb sein. In der Folge werden mehr Arbeiten automatisiert und dadurch sinkt gerade im Niedriglohnsektor das Arbeitsplatzangebot. Dadurch steigt die Sockelarbeitslosigkeit, weil mehr niedrig qualifizerte Arbeiter keine Anstellung mehr finden. DAS erhöht die Quote an Armutsgefährdeten und die Notwendigkeit für Sozialtransferleistungen.
- Wenn der Grundlohn niedrig ist, sind mehr Mitarbeiter bzw. Stellenbewerber motiviert, durch eine höhere Qualifikation auch ein höheres Einkommen zu erzielen. Ein Mindestlohn senkt diese Bereitschaft.
- Im Sinne der Tarifautonomie sind es Arbeitgeber und Arbeitnehmer, die weitestgehend ohne staatliche Reglementierung Löhne und Arbeitsbedingungen vereinbaren. Der Mindestlohn wäre daher ein staatlicher Eingriff in die Tarifautonomie (Sogar Arbeitnehmerfunktionäre wie der BCE-Gewerkschaftsführer Hubertus Schmoldt haben sich aus genau diesem Grund gegen einen gesetzlichen Mindestlohn ausgesprochen). Warum sollte es den Vertragspartnern verboten werden, Lohnabsprachen unterhalb eines Mindestlohnes zu vereinbaren, wenn doch offenbar beide Parteien sich einen Nutzen daraus versprächen?
Mir ist klar - und ich habe zu diesem Einwand auch keine schlaue Antwort parat -, dass der Hinweis auf verhungernde Kinder in Afrika ein Totschlagargument ist und der alleinerziehenden, Vollzeit arbeitenden Mutter nicht aus ihren Nöten hilft. Aber ich erlebe derzeit einige extrem flexible und leistungsbereite Armutsgefährdete, die durch eine hohe Motivation und Qualifikationsbereitschaft ihren Weg dauerhaft aus der “Zone” schaffen werden. Das Resultat sind hochqualifizierte Arbeitnehmer, die auf weniger Sozialleistungen angewiesen sein werden. Diese Menschen lamentieren nicht, sondern sie gestalten ihr Leben.
Die Berufsnörgler von der Gießkannenfraktion dagegen sind meist hoch bezahlte Funktionäre, die unsere Gesellschaft und ihre Leistungsträger viel schlechter reden, als sie tatsächlich ist.
Unsere Armut kotzt mich an 19. Mai 2008
Posted by kauda in Gesellschaft, d.1 comment so far
Am heutigen Montag wird der Bundesminister für Arbeit und Soziales den “Armuts- und Reichtumsbericht” der Bundesregierung vorstellen. Schon am Sonntag durften wir einiges aus dem noch unveröffentlichten Papier erfahren - dank ministerialer Geschwätzigkeit gegenüber der allseits geschätzten Bild am Sonntag. Jeder achte in Deutschland lebe in Armut, steht da in großen schwarzen Lettern auf bild.de, der Herr Minister gibt sich bedrückt, aber er wäre kein Spitzenpolitiker, hätte er nicht auch gleich eine Lösung parat:
Wir haben zu niedrige Löhne in Deutschland und wir brauchen Mindestlöhne. (O. Scholz)
Was ist Armut? Die Experten tun sich schwer. Sie beschreiben Armut als den “Mangel an etwas Wesentlichem”. Und dazu gehört eben gerade nicht nur Geld im Sinne einer “Einkommensarmut”, sondern auch Grundrechte und Grundfreiheiten, hygienische Mindeststandards, Zugang zu Bildungseinrichtungen und medizinischer Versorgung, Schutz vor Kriminalität und politische Gestaltungsmöglichkeiten. Haben wir unter diesem Aspekt wirklich eklatanten Mangel in Deutschland? Oder werden da ein paar Zeilen des Berichtes von den Sozialpolitikern aus der Gießkannenfraktion instrumentalisiert, um mit “Mehr Geld für alle außer die blöden Reichen” den Wahlkampf einzuläuten?
Zu den Fakten: Die Bild-Überschrift ist schlicht falsch, weil die genannten 13 % der Deutschen nicht in “Armut” leben, sondern in der “Armutsrisikozone”. Das ist nicht ganz identisch mit der früheren sowjetischen Besatzungszone und wie man da reinkommt, hat sich die Europäische Union ausgedacht: Lieber Europäer, du giltst immer dann als armutsgefährdet, wenn du weniger als 60% des Medianeinkommens deines Heimatlandes verdienst - in Deutschland sind das weniger als 781 Euro. Man ist dann also noch nicht arm, sondern könnte es eventuell unter Umständen vielleicht irgendwie ein bisschen werden. (Das Medianeinkommen sagt aus, dass die Hälfte der Einkommensbezieher mehr und die andere Hälfte weniger als diesen Betrag verdienen - in Deutschland sind das derzeit gut 1.300 Euro). Praktisch alle armutsgefährdeten Singlehaushalte sind übrigens in Wirklichkeit Studenten-WGs. Studenten gelten nämlich statistisch als Verdiener und ihre Zimmer in einer WG als Einpersonenhaushalt.
Doch, es gibt tatsächlich Menschen in Deutschland, denen es nicht gut geht. Die wirklich Mangel leiden. Das steht außer Zweifel. Und die Bundesregierung tut gut daran, die Hauptgründe für soziale Missstände aufzuspüren und per Gesetz zu beheben. Dazu müsste man z.B. verbieten, dass Menschen ihre Arbeit verlieren, junge Damen unverheiratet erst schwanger und dann verlassen werden oder unbescholtenen Bürgern Krankheiten und Verletzungen widerfahren, die sie berufsunfähig oder zumindest schwer vermittelbar machen. Das würde die Zahl der Gefährdeten extrem reduzieren. Aber ob Vater Staat da was drehen kann?
Vielleicht brauchen wir aber auch eine andere Brille? Mit 781 Euro im Monat gilt man in Deutschland als armutsgefährdet? In Tschechien oder Polen - das sind die Länder, die von uns aus gaaaaanz weit drüben Richtung Asien liegen, hat man damit weit mehr als der Durchschnittsverdiener (461 bzw. 380 Euro). Die Hälfte der Menschen auf dieser Erdkugel hat am Tag keine zwei US-Dollar zur Verfügung. Wer ein Bankkonto besitzt und ein Portemonnaie, in dem echtes Geld steckt, der ist reicher als ZWEIUNDNEUNZIG Prozent der Weltbevölkerung. Und jeden Tag sterben 30.000 Kinder weltweit an Hunger, das sind 1.250 Kinder pro Stunde, über zwanzig in der Minute. Alle drei Sekunden ein Kind.
Und wieder eins.
Und jetzt gerade - wieder eins.
Lieber Club! 17. Mai 2008
Posted by kauda in mal eben.add a comment
Das tut mir leid! Aber ich fürchte, Du hast es mal wieder selber versemmelt…
(nach dem 2:0 für Schalke)